Zur angekündigten Schließung des Serumwerks Dresden: BÜNDNISGRÜNE fordern Zukunftsperspektive für den Standort und unabhängige Arzneimittelproduktion in Europa
Pressemitteilung 16.09.2026
Dresden. Die angekündigte Schließung des Dresdner Serumwerks von Glaxo Smith Kline (GSK) und der damit verbundene Verlust von rund 640 Arbeitsplätzen waren heute Thema im Sächsischen Landtag. Die BÜNDNISGRÜNE-Landtagsfraktion erwartet von dem Unternehmen, alle Möglichkeiten für den Erhalt des Standorts und seiner hochqualifizierten Arbeitsplätze ernsthaft zu prüfen.
Dazu erklärt Thomas Löser, Abgeordneter der BÜNDNISGRÜNEN im Sächsischen Landtag:
„Die angekündigte Schließung des Werks ist für die Beschäftigten und für die Landeshauptstadt Dresden eine ganz bittere Nachricht. Hinter den Streichungsplänen stehenMenschen, ihre Familien und ihre Lebensplanung. Viele Beschäftigte arbeiten seit Jahren oder Jahrzehnten im Serumwerk. Wir stehen an ihrer Seite und erwarten von Glaxo Smith Kline ernsthafte Anstrengungen, um dem Dresdner Werk eine langfristige Perspektive zu geben. Dass ein weltweit tätiger Pharmakonzern wegen der Nichtauslastung einzelner Produktlinien gleich das gesamte Werk schließen will, lässt jede soziale Verantwortung und die Fürsorgepflicht gegenüber den Beschäftigten vermissen. Hier geht es nicht um irgendeinen Produktionsstandort: In Dresden steckt mehr als ein Jahrhundert Pharma- und Impfstoffgeschichte, hochqualifiziertes Personal und enormes Know-how.“
Löser fordert jetzt konkrete Schritte von der Staatsregierung:
„Es ist gut, dass Ministerpräsident Kretschmer sich heute im Landtag zu diesem Thema geäußert hat. Aber jetzt müssen auch Taten folgen. Die Staatsregierung muss unverzüglich das Gespräch mit GSK suchen und prüfen, welche Möglichkeiten es für den Erhalt des Standorts gibt. Dazu gehören alternative Produktlinien, eine mögliche Übernahme durch ein anderes – möglichst europäisches oder deutsches – Unternehmen und auch die Frage, ob eine staatliche Beteiligung zur Sicherung der Arzneimittelproduktion sinnvoll sein könnte.“
Löser abschließend:
„Der Werksgründer Karl August Lingner war Unternehmer und Sozialrevolutionär. Sein verantwortungsvolles Unternehmertum hat Dresden geprägt. Ich bin überzeugt: Lingner würde heute für seine Beschäftigten kämpfen. Wir sollten es ihm gleichtun. Wir stehen an der Seite der Mitarbeitenden und setzen uns für den Fortbestand dieses wichtigen Betriebs im Herzen Dresdens und für eine unabhängige sächsische Arzneimittelproduktion ein. Das Werk muss erhalten werden.“
Hintergrund:
Das Dresdner Werk blickt auf eine mehr als 100-jährige Geschichte zurück. Es wurde 1911 als Sächsisches Serumwerk und Institut für Bakteriotherapie gegründet. Gründer war der Dresdner Unternehmer Karl August Lingner. Das Unternehmen produzierte unter anderem Impfstoffe gegen Cholera, Ruhr und Typhus. Während der DDR-Zeit war das Sächsische Serumwerk der einzige Hersteller von Influenza-Impfstoffen in der DDR und ein bedeutendes Zentrum der Arzneimittelforschung. 1992 übernahm SmithKline Beecham, der Vorgängerkonzern von GSK, die Produktion. Die Produktion soll nach den bisherigen Plänen bis September 2027 eingestellt, das Werk bis Sommer 2028 abgewickelt werden. Für die BÜNDNISGRÜNEN muss deshalb sehr zügig geprüft werden, welche Perspektiven für den Standort, die Beschäftigten und das vorhandene Know-how möglich sind.
Foto: Credit: Robert Michael/dpa







