Pressemitteilung
Datum: 12.01.2026
Dresden. Der Zweite Bericht der Nationalen Präventionskonferenz stellt fest: Die Gesundheit von Kindern hängt maßgeblich vom sozioökonomischen Status ihrer Familien ab. Insofern ist es eine politische Aufgabe, insbesondere Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Familien bei Gesundheitsförderung und Prävention stärker in den Fokus zu rücken.
Die Antworten der sächsischen Staatsregierung auf die Kleine Anfrage (Drs 8/4729) des gesundheitspolitischen Sprechers von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Thomas Löser, zeigen jedoch: In Sachsen fehlt es weiterhin an einer systematischen, datenbasierten Präventionsstrategie für diese besonders vulnerable Gruppe.
Thomas Löser kritisiert den fehlenden Gesamtblick der Staatsregierung:
„Nur ein übergreifendes, landesweites Präventionskonzept kann nachhaltige Wirkung entfalten. Zwar listet die Staatsregierung in ihrer Antwort eine Vielzahl einzelner Projekte und Programme auf – von kostenlosem Schulfrühstück über ‚Frühe Hilfen‘ bis hin zu Modellvorhaben finanziert aus dem Europäischen Sozialfonds oder den Gesetzlichen Krankenversicherungen. Doch diese Maßnahmen bleiben weitgehend fragmentiert, zeitlich befristet und regional unterschiedlich. Es fehlt an Zielen, Prioritäten und verbindlichen Standards für den gesamten Freistaat, damit Kinder und Jugendliche aus sozioökonomisch benachteiligten Familien überall erreicht werden.„
Besonders problematisch schätzt der gesundheitspolitische Sprecher der BÜNDNISGRÜNEN-Fraktion ein, dass der Staatsregierung keine eigenen Erkenntnisse zu regionalen Unterschieden im Gesundheitszustand von Kindern nach sozioökonomischen Hintergrund vorliegen: „Ohne belastbare Daten bleibt unklar, wo Prävention besonders dringend gebraucht wird und ob bestehende Maßnahmen überhaupt wirken. Prävention nach dem Gießkannenprinzip wird den sehr unterschiedlichen sozialen Lebensrealitäten von Familien nicht gerecht.“
„Hinzu kommt: Sachsen hat seit 2016 keine eigenständigen Gesundheitsziele für Kinder und Jugendliche weiterentwickelt. Stattdessen verweist die Staatsregierung auf die Landesrahmenvereinbarung nach § 20f SGB V und auf Bundesempfehlungen. Prävention wird damit weitgehend verwaltet statt aktiv politisch gestaltet.„
Christin Melcher, Sprecherin für Kinder, Jugend und Familie der BÜNDNISGRÜNEN-Fraktion, fügt hinzu:
„Prävention darf nicht von der Postleitzahl oder zeitlich befristeten Projekten abhängen. Der Zugang zu gesundheitsfördernden Angeboten muss für alle Kinder und Jugendlichen in Sachsen verlässlich und dauerhaft gesichert sein. Dafür braucht es eine landesweite Präventionsstrategie, die Kinder und Jugendliche in belasteten Lebenslagen ausdrücklich in den Mittelpunkt stellt, verbindliche Strukturen schafft und dauerhaft finanziert ist. Dazu gehören auch eine bessere Verzahnung von Gesundheits-, Sozial- und Bildungspolitik sowie eine regelmäßige Berichterstattung zur gesundheitlichen Chancengleichheit von Kindern in Sachsen.“
„Solange Sachsen weder klare Ziele noch eine belastbare Datengrundlage für die Präventionspolitik vorlegt, bleibt die Gesundheitsförderung für sozioökonomisch benachteiligte Kinder Stückwerk – und die soziale Schere in der Kindergesundheit öffnet sich weiter.„
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