Ich wurde zum Ostdeutschen Heilpraktikerkongress 2026 eingeladen und hatte die große Freude, dort eine Rede zu halten:
Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrte Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker,
liebe Gäste,
ich freue mich sehr, heute hier in Dresden beim Ostdeutschen Heilpraktikerkongress zu Ihnen sprechen zu dürfen – unter dem Motto: „Naturheilkunde für jedes Lebensalter“.
Als ich über dieses Motto nachgedacht habe, musste ich schmunzeln – denn ich stehe heute nicht nur als politischer Vertreter von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hier, sondern auch als ganz normaler Mann im mittleren Lebensalter. Einer von denen, die ehrlich gesagt lange Zeit eher selten beim Arzt waren. Solange alles funktioniert, schiebt man Vorsorge gern auf. Man ist beruflich eingespannt, Familie, Alltag – und Gesundheit ist etwas, das „einfach läuft“. Bis zu dem Moment, in dem man merkt: Es ist eben nicht selbstverständlich.
Mein Blick hat sich verändert. Man spürt, dass Gesundheit kein Zustand ist, sondern ein Prozess. Dass Prävention, Lebensstil, Bewegung, Ernährung und auch innere Balance eine größere Rolle spielen. Und genau da beginnt das, was viele von Ihnen täglich leisten.
„Naturheilkunde für jedes Lebensalter“ bedeutet ja nicht nur: Kinder, Erwachsene, Senioren. Es bedeutet auch: unterschiedliche Lebensphasen, unterschiedliche Bedürfnisse, unterschiedliche Wege zur Gesundheit. Vom ersten Infekt im Kindesalter über Stress und Erschöpfung im Berufsleben bis hin zu chronischen Beschwerden im Alter.
Was viele Menschen an Ihrer Arbeit schätzen – und ich höre das immer wieder –, ist Zeit. Zeit zum Zuhören. Zeit zum Nachfragen. Zeit, Zusammenhänge zu erklären. In einer hoch technisierten Medizinlandschaft, in der Termine oft knapp getaktet sind, erleben Patientinnen und Patienten bei Ihnen häufig etwas, das man nicht messen, aber deutlich spüren kann: Zuwendung.
Und ich finde, das verdient Respekt.
Sie leisten einen Beitrag zur Gesundheitskultur in unserem Land. Sie begleiten Menschen, oft über viele Jahre hinweg. Sie stärken Eigenverantwortung, Prävention und Lebensstilkompetenz. Und Sie tun das mit großem persönlichem Engagement.
Natürlich wissen wir alle: Gesundheitspolitik ist immer auch Gegenstand politischer Debatten. Der jüngste Beschluss auf dem Bundesparteitag zur Frage der Erstattung homöopathischer Leistungen durch die gesetzlichen Krankenkassen hat gezeigt, wie sensibel dieses Thema ist. Die Entscheidung, die Kostenerstattung neu zu bewerten, ist vor allem mit dem Anspruch begründet worden, solidarisch finanzierte Leistungen an wissenschaftliche Evidenz zu knüpfen.
Das ist eine legitime gesundheitspolitische Diskussion.
Gleichzeitig – und das möchte ich hier sehr deutlich sagen – ist damit weder ein Werturteil über Patientinnen und Patienten verbunden, die homöopathische oder naturheilkundliche Angebote nutzen, noch über diejenigen, die sie verantwortungsvoll anbieten. Der Beschluss betrifft die Frage der Finanzierung im solidarischen System, nicht das individuelle Therapieverhältnis zwischen Behandelnden und Patientinnen und Patienten.
Und ich bin überzeugt: Die Zukunft liegt nicht in ideologischen Grabenkämpfen, sondern im Dialog. Zwischen Schulmedizin und Naturheilkunde. Zwischen Wissenschaft, Erfahrung und Praxis. Zwischen Politik und denjenigen, die tagtäglich mit Menschen arbeiten.
Gerade wenn wir über „Naturheilkunde für jedes Lebensalter“ sprechen, geht es doch um etwas Größeres: um die Frage, wie wir in einer älter werdenden Gesellschaft Gesundheit erhalten, Lebensqualität stärken und chronischen Erkrankungen vorbeugen können. Prävention, Lebensstilberatung, ganzheitlicher Blick – das sind Themen, die an Bedeutung gewinnen werden.
Für mich kann ich sagen: Ich habe begonnen, anders auf meinen Körper zu hören. Ich habe gemerkt, dass es nicht nur um Reparaturmedizin geht, sondern um Balance. Und viele Menschen finden auf diesem Weg der Selbstfürsorge auch zu Ihnen.
Ich wünsche mir, dass wir in Deutschland eine Gesundheitslandschaft haben, die Vielfalt zulässt – bei klaren Qualitätsstandards, bei hoher Patientensicherheit, aber auch mit Respekt vor unterschiedlichen Zugängen zur Gesundheit.
Mein Dank gilt Ihnen für Ihr Engagement, Ihre Leidenschaft und Ihre Bereitschaft, Verantwortung für Menschen in ganz unterschiedlichen Lebensphasen zu übernehmen.
Ich wünsche Ihnen einen inspirierenden Kongress hier in Dresden, gute Gespräche, neue Impulse – und vor allem die Bestätigung, dass Ihre Arbeit für viele Menschen einen wichtigen Unterschied macht.
Herzlichen Dank.






